Fragen und Antworten zu meiner Kandidatur für den Bundesrat
Die Kandidatur und die politische Unabhängigkeit
1. Warum kandidieren Sie als Unabhängiger für den Bundesrat?
Weil ich überzeugt bin, dass die Schweiz konkrete Lösungen braucht, die nach ihrem Nutzen und nicht allein nach ihrer politischen Herkunft beurteilt werden. Meine Unabhängigkeit ermöglicht es mir, mit allen politischen Kräften in Dialog zu treten und Vorschläge zu unterstützen, die ich für sinnvoll halte, unabhängig davon, von wem sie stammen.
Frage 2: Welche politischen Schwerpunkte würden Sie als Bundesrat setzen?
Meine Schwerpunkte sind die soziale Verantwortung gegenüber der Bevölkerung, die Stärkung der produktiven Wirtschaft, bezahlbares Wohneigentum sowie die Sicherheit und Unabhängigkeit der Schweiz. Ich möchte unnötige bürokratische Hindernisse abbauen, Investitionen erleichtern und die Bevölkerung besser auf unvermeidbare Risiken vorbereiten, auch auf die Folgen des Klimawandels. Dabei sind für mich finanzielle Verantwortung, Neutralität und die direkte Demokratie unverzichtbar.
3. Warum suchen Sie nicht einfach die offizielle Unterstützung der SVP?
Meine Kandidatur ist unabhängig. Ich erhebe keinen Anspruch darauf, die SVP oder eine andere Partei offiziell zu vertreten. Ich habe die politischen Parteien im Tessin gebeten, meine Kandidatur zu prüfen und eine mögliche Unterstützung zu erwägen. Ich bin der Auffassung, dass ein Vorschlag nach seinem Inhalt und nach der Person beurteilt werden sollte, die dafür Verantwortung übernimmt.
4. Ist Ihre Kandidatur lediglich symbolisch?
Nein. Mir ist bewusst, dass eine unabhängige Kandidatur in einem politischen System, das von Parteien und Fraktionen geprägt ist, vor besonderen Herausforderungen steht. Ich behaupte nicht, bereits über eine Unterstützung zu verfügen, die ich noch nicht erhalten habe. Ich möchte meine Ideen vorstellen, mich mit den Parlamentariern austauschen und zu einer konkreten Diskussion über die Zukunft unseres Landes beitragen.
5. Was unterscheidet Sie von anderen möglichen Kandidaten?
Meine Erfahrung beschränkt sich nicht auf Wirtschaft und Politik. Ich bin Vater von drei erwachsenen Kindern, Grossvater und war alleinerziehender Vater. Meine Familie musste auch mit der schweren Behinderung eines Kindes umgehen. Ich habe eine Scheidung, den Verlust meiner Arbeitsstelle und vor rund zwanzig Jahren eine Zeit erlebt, in der ich auf Sozialhilfe angewiesen war.
Ich habe mein Leben persönlich und finanziell neu aufgebaut und bin heute wieder Unternehmer. Bereits als Kind hatte ich aufgrund der Ölkrise 1973 den Konkurs des Unternehmens meines Vaters und die tiefgreifende Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Familie erlebt. Ich habe früh gelernt, dass sich Lebensumstände radikal verändern können, ein Neuanfang aber möglich ist.
Diese Erfahrungen haben mich gelehrt, Menschen nicht allein nach einer schwierigen Phase ihres Lebens zu beurteilen. Mich interessiert eine Politik, die Verantwortung, konkrete Chancen und messbare Ergebnisse miteinander verbindet.
6. Welche Antworten haben Sie von den Tessiner Parteien erhalten?
Am 22. Oktober habe ich den Tessiner Parteien geschrieben und sie gebeten, meine Kandidatur für den Bundesrat zu prüfen und eine mögliche Unterstützung zu erwägen. Ich bin zu einem direkten und ernsthaften Austausch bereit. Sobald die Antworten klar sind, werde ich darüber informieren. Schweigen werde ich weder als Unterstützung noch als Ablehnung interpretieren.
7. Was erwarten Sie von den Parteien, die Sie angeschrieben haben?
Vor allem erwarte ich, dass sie meine Kandidatur und meine Vorschläge inhaltlich prüfen. Ich verlange weder automatische Unterstützung noch die Zustimmung zu all meinen Ideen. Ich bitte um die Bereitschaft zu einem ernsthaften Gespräch und zur Prüfung, ob mein Profil einen nützlichen Beitrag für die Schweiz leisten kann.
8. Sind Sie bereit, mit Parteien zusammenzuarbeiten, die Ihre Ansichten nicht teilen?
Ja. Zusammenarbeit bedeutet nicht, die eigenen Überzeugungen aufzugeben. Sie bedeutet anzuerkennen, dass gute Lösungen aus unterschiedlichen politischen Lagern kommen können und dass es Aufgabe der Institutionen ist, wirksame Antworten auf die Probleme des Landes zu finden.
9. Warum haben Sie auch Ihre Bereitschaft für die Tessiner Kantonswahlen im März 2027 erklärt?
Meine derzeitige Priorität ist die Kandidatur für den Bundesrat. Gleichzeitig habe ich den Tessiner Parteien mitgeteilt, dass ich bereit bin, auch über ein mögliches politisches Engagement bei den kommenden Kantonswahlen zu sprechen. Es handelt sich um zwei unterschiedliche politische Ebenen. Allfällige Angebote werde ich ernsthaft prüfen, ohne die beiden Ziele miteinander zu vermischen.
10. Wie beurteilen Sie die Arbeit von Guy Parmelin?
Guy Parmelin hat wichtige Arbeit für unser Land geleistet. Sein Engagement und seine Erfahrung verdienen Respekt. Eine Nachfolge muss nicht zwangsläufig einen Bruch bedeuten. Ich möchte bewahren, was funktioniert, und jene Probleme pragmatisch angehen, für die neue Antworten erforderlich sind.
11. Glauben Sie, dass Sie ohne eine grosse Partei im Rücken tatsächlich gewählt werden können?
Die Wahl hängt von der Entscheidung der Vereinigten Bundesversammlung und von der Unterstützung ab, die eine Kandidatur erhält. Ich möchte weder Prognosen abgeben noch eine Unterstützung für mich beanspruchen, die nicht ausdrücklich bekundet wurde. Meine Aufgabe besteht darin, meine Vorschläge klar darzulegen und zu zeigen, dass ich bereit bin, die damit verbundenen Verantwortlichkeiten zu übernehmen.
12. Haben Sie bereits Kontakt zu den Bundesparlamentariern aufgenommen, und wollen Sie ihnen Ihr Programm vorstellen?
Noch nicht individuell. Ich beabsichtige, vor der Wahl Gespräche mit den Parlamentariern zu führen, um meine Ideen persönlich vorzustellen und meine konkreten Vorschläge zu diskutieren.
Ausserdem schreibe ich ein Buch, in dem ich meinen Lebensweg, meine Überlegungen und meine politischen Vorschläge zusammenfasse. Ob es möglich sein wird, das Buch vor der Bundesratswahl am 9. Dezember zu veröffentlichen, weiss ich noch nicht. Falls es zeitlich möglich ist, würde ich es den Parlamentariern gerne als Beitrag zur Diskussion zur Verfügung stellen.
13. Was geschieht, wenn Sie nicht gewählt werden?
Mein Engagement hängt nicht allein vom Ausgang einer Wahl ab. Ich möchte zur öffentlichen Diskussion beitragen, konkrete Vorschläge unterbreiten und den Austausch zwischen Menschen und Parteien fördern. Wenn meine Ideen als nützlich betrachtet werden, werde ich auch dann einen Beitrag geleistet haben, wenn ich persönlich nicht gewählt werde.
Die politischen Vorschläge
14. Warum schlagen Sie eine Einheitskasse für die obligatorische Krankenversicherung vor?
Ich halte es für sinnvoll, ein Modell zu prüfen, das die obligatorische Grundversicherung vereinfacht und die Verwaltungskosten sowie jene Wettbewerbsanreize reduziert, die den Versicherten keinen ausreichenden Nutzen bringen. Private Zusatzversicherungen könnten weiterhin bestehen.
Jede Reform müsste allerdings anhand der Gesamtkosten, der Behandlungsqualität und der Wahlfreiheit der Patienten beurteilt werden.
15. Warum schlagen Sie spezialisierte Banken für die Landwirtschaft, die Industrie und den Zugang zu Wohneigentum vor?
Weil die Kapitalkosten Investitionen bremsen können, die der gesamten Wirtschaft zugutekommen. Ich möchte ein Modell mit spezialisierten Banken oder gezielten Finanzierungsinstrumenten für die Landwirtschaft, die Industrie und den Erwerb von selbst genutztem Wohneigentum prüfen.
Das Ziel wäre, langfristige Finanzierungen zu besonders günstigen Konditionen anzubieten, mit Zinssätzen, die nach Möglichkeit und soweit tragfähig etwa ein bis zwei Prozentpunkte über dem Referenzzinssatz der Schweizerischen Nationalbank liegen.
Damit sollen produktive Investitionen und der Zugang zu Wohneigentum erleichtert werden, ohne auf strenge Bonitätsprüfungen und die Stabilität des Finanzsystems zu verzichten.
16. Warum glauben Sie, dass solche Finanzierungen günstiger sein könnten, und welchen konkreten Nutzen hätten sie?
Nehmen wir eine Hypothek von 500’000 Franken als Beispiel. Bei einem Zinssatz von 1 Prozent belaufen sich die jährlichen Zinskosten auf 5’000 Franken. Günstige Finanzierungskosten können Wohneigentum auch für Familien erschwinglicher machen, die über kein besonders hohes Einkommen verfügen.
Wenn eine Bank einen Kredit zu Finanzierungskosten von 0,1 Prozent vergibt und dafür 1 Prozent Zins erhält, beträgt die Bruttozinsdifferenz 0,9 Prozentpunkte. In diesem Beispiel entsprechen die Finanzierungskosten 10 Prozent der Zinserträge, während die Bruttozinsdifferenz 90 Prozent der Zinserträge ausmacht. Das ist allerdings nicht mit dem Nettogewinn der Bank gleichzusetzen, da weitere Kosten und Risiken zu berücksichtigen sind.
Meine Frage lautet: Warum prüfen wir nicht Finanzierungsmodelle, mit denen ein grösserer Teil der Vorteile eines effizienten Geld- und Finanzsystems der Realwirtschaft zugutekommen kann?
Ich möchte Finanzierungen für selbst genutztes Wohneigentum und produktive Investitionen zugänglicher machen und dabei strenge Kriterien für Zahlungsfähigkeit, Transparenz und Finanzstabilität beibehalten.
17. Welche Positionen aus Ihrer früheren SVP-Zeit vertreten Sie weiterhin, und wie stehen Sie zur Europäischen Union?
Bei Einwanderung, Neutralität und Sicherheit vertrete ich weiterhin klare Positionen, die jenen aus meiner früheren politischen Zeit in der SVP nahestehen. Die Schweiz soll die Einwanderung kontrollieren, ihre Neutralität bewahren und die Sicherheit der Bevölkerung gewährleisten können.
Im Verhältnis zur Europäischen Union ist mir der Volkswille besonders wichtig. Bei einer Frage dieser Tragweite muss das Ergebnis einer demokratischen Abstimmung schwerer wiegen als meine persönliche Meinung.
Ich habe auf drei Kontinenten gelebt und gearbeitet und war sechzehn Jahre mit einer indischen Frau verheiratet. Dadurch habe ich unterschiedliche Kulturen aus nächster Nähe kennengelernt. Für mich ist es möglich, der eigenen nationalen Identität tief verbunden zu sein und gleichzeitig andere Kulturen zu respektieren.
18. Welche Ihrer beruflichen Erfahrungen qualifizieren Sie für das Amt eines Bundesrats?
Ich bringe langjährige internationale Industrie- und Führungserfahrung mit. Ich habe in unterschiedlichen Unternehmen Verantwortung übernommen, Märkte entwickelt und wirtschaftliche Ergebnisse erzielt. Dazu gehören auch Tätigkeiten im Hochtechnologie- und Rüstungszuliefersektor, in denen Präzision, Zuverlässigkeit, internationale Zusammenarbeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit Risiken entscheidend sind. Diese Erfahrungen haben mich gelehrt, strategisch zu denken, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für deren Folgen zu übernehmen.
19. Welche Rolle könnte Ihre Erfahrung in der Tessiner Politik künftig spielen?
Ich bin als Gemeinderat in Orselina mit den Herausforderungen der kommunalen Politik vertraut. Auch eine weitere Tätigkeit auf kantonaler Ebene ist für mich grundsätzlich denkbar. Im Moment steht jedoch meine Kandidatur für den Bundesrat im Vordergrund. Unabhängig davon möchte ich mich weiterhin für konkrete Lösungen einsetzen, die den Menschen und dem Standort Tessin zugutekommen.
20. Was geschieht mit Ihren Vorschlägen, wenn Sie nicht gewählt werden?
Die Vorschläge bleiben bestehen. Mir ist wichtig, dass sie diskutiert, weiterentwickelt und, sofern sie sich als sinnvoll erweisen, in konkrete Vorhaben überführt werden. Der Wert eines Vorschlags hängt nicht allein vom Amt der Person ab, die ihn einbringt.
21. Würden Sie wieder einer Partei beitreten?
Heute bin ich unabhängig und möchte mir die Freiheit bewahren, Vorschläge ohne parteipolitische Bindung zu beurteilen. Den Dialog und die Zusammenarbeit mit keiner politischen Kraft schliesse ich aus. Ich halte es jedoch nicht für notwendig, einer Partei anzugehören, um zur öffentlichen Diskussion beizutragen.
22. Welche drei Anliegen wären Ihnen besonders wichtig?
Erstens möchte ich die soziale Verantwortung stärken und die Belastungen für Menschen ernst nehmen, die trotz Arbeit finanziell unter Druck stehen. Zweitens will ich die produktive Wirtschaft fördern, unnötige Bürokratie reduzieren und den Zugang zu bezahlbarer Finanzierung für sinnvolle Investitionen verbessern. Drittens muss die Schweiz ihre Sicherheit, Unabhängigkeit und Widerstandsfähigkeit stärken, einschliesslich eines besseren Schutzes der Bevölkerung vor Naturgefahren und anderen Risiken.
ZUSATZFRAGEN FÜR VERTIEFENDE INTERVIEWS
Herkunft, Familie und persönliche Widerstandskraft
23. Wie sehr hat Sie der Konkurs des Unternehmens Ihres Vaters während Ihrer Kindheit geprägt?
Als Kind habe ich die Folgen einer schweren Wirtschaftskrise erlebt. Mein Vater war Fabrikant und internationaler Exporteur im Automobilsektor. Nach der Ölkrise von 1973 trug die starke Aufwertung des Schweizer Frankens in den folgenden Jahren zu den Schwierigkeiten seines Unternehmens und schliesslich zum Konkurs bei.
Unsere Familie zog in den Folgejahren von einer Luzerner Villa mit vierzehn Zimmern in ein kleines Rustico mit fünf Zimmern im Tessin. Ich habe früh gelernt, dass sich wirtschaftliche Verhältnisse plötzlich radikal verändern können. Und ich lernte, damit umzugehen.
Trotz der Schwierigkeiten schloss ich meine Tessiner Berufsausbildung mit der Note 5,8 ab. Diese Erfahrung hat mich den Wert von Durchhaltewillen, Integration und der Fähigkeit, neu anzufangen, gelehrt.
24. Was hat Sie die Erfahrung als alleinerziehender Vater gelehrt?
Alleinerziehender Vater für 3 Kinder für über 10 Jahre zu sein, hat mich gelehrt, wie wichtig Zeit, Verantwortung und die Fähigkeit sind, die richtigen Prioritäten zu setzen. Familien brauchen nicht nur politische Versprechen, sondern auch konkrete Rahmenbedingungen, die es ihnen ermöglichen, zu arbeiten, sich um ihre Kinder zu kümmern und mit unvorhergesehenen Schwierigkeiten umzugehen.
25. Was haben Sie aus jener Zeit gelernt, in der Sie auf Sozialhilfe angewiesen waren?
Ich habe gelernt, dass eine schwierige Lebensphase einen Menschen nicht für immer definieren muss. Ich musste meine persönliche und finanzielle Situation neu aufbauen, Verantwortung übernehmen und nach neuen Möglichkeiten suchen.
Deshalb halte ich es für wichtig, Eigenverantwortung mit konkreten Chancen für einen Neuanfang zu verbinden.
26. Hat die schwere Behinderung eines Kindes Ihre Sicht auf die Gesellschaft beeinflusst?
Schwierige Erfahrungen innerhalb der Familie können die Prioritäten eines Menschen grundlegend verändern. Sie haben mich dafür sensibilisiert, mit welchen Belastungen viele Familien im Alltag umgehen müssen und wie wichtig es ist, ihre individuellen Situationen mit Respekt und Sachlichkeit zu betrachten.
Es handelt sich um eine persönliche Familienerfahrung, mit der ich aus Gründen der Privatsphäre zurückhaltend umgehe. Sie hat jedoch stark zu meiner Sensibilität für die Schwierigkeiten anderer Menschen beigetragen.
Wirtschaft, Unternehmertum und Investitionen
27. Was haben Sie als Unternehmer konkret erreicht?
Meine berufliche Laufbahn umfasst über Jahrzehnte internationale Industrie- und Vertriebstätigkeit. Ich habe in unterschiedlichen Unternehmen Führungsverantwortung übernommen, neue Märkte erschlossen und Geschäftstätigkeiten weiterentwickelt. Zu meinen Erfahrungen gehören Hochtechnologie, industrielle Anwendungen und der Rüstungszuliefersektor. Bei Huber+Suhner konnte ich beispielsweise an einer Entwicklung mitwirken, bei der der Umsatz innerhalb von acht Jahren um mehr als 400 Prozent gesteigert wurde. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, wie wichtig klare Ziele, verlässliche Produkte, qualifizierte Mitarbeitende und langfristiges Denken sind.
28. Warum ist Ihnen der Abbau von Bürokratie so wichtig?
Regulierungen sind in vielen Bereichen notwendig. Jede Verpflichtung sollte jedoch einen klaren Zweck verfolgen und einen verhältnismässigen Nutzen im Verhältnis zu den verursachten Kosten bieten.
Gerade kleine und mittlere Unternehmen sollten ihre Ressourcen nicht für Verfahren aufwenden müssen, die weder Sicherheit noch Qualität noch das öffentliche Interesse verbessern. Ich möchte Regulierungen systematisch überprüfen, unnötige Vorschriften abschaffen und notwendige vereinfachen.
29. Wie vereinbaren Sie weniger Bürokratie mit sozialer und ökologischer Verantwortung?
Ich fordere nicht die Abschaffung sämtlicher Regeln. Ich möchte zwischen Vorschriften unterscheiden, die Menschen und Umwelt tatsächlich schützen, und solchen, die Kosten verursachen, ohne einen angemessenen Nutzen zu bringen.
Soziale Verantwortung, der Schutz der Bevölkerung und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit müssen gemeinsam angegangen werden, mit wirksamen und überprüfbaren Massnahmen.
30. Führt Ihr Vorschlag für günstige Finanzierungen nicht zu neuen Risiken für den Staat und die Steuerzahler?
Diese Risiken müssen ernsthaft geprüft werden. Ich fordere weder unbegrenzte Kredite noch Finanzierungen ohne Bonitätsprüfung.
Ich möchte Modelle mit strengen Kriterien, Transparenz, klaren Grenzen und einer Kontrolle der Ergebnisse untersuchen. Dabei müssen auch die Vereinbarkeit mit dem gesetzlichen Auftrag der Schweizerischen Nationalbank und die Stabilität des Finanzsystems geprüft werden.
Das Modell sollte auf der Grundlage unabhängiger Analysen entwickelt werden, bevor es umgesetzt wird.
Neutralität, Sicherheit und internationale Beziehungen
31. Wie hat Ihre internationale Erfahrung Ihre Sicht auf die Schweizer Neutralität geprägt?
Ich habe auf drei Kontinenten gelebt und gearbeitet und kenne unterschiedliche politische, wirtschaftliche und kulturelle Rahmenbedingungen aus eigener Erfahrung. Diese Perspektive hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, Interessen realistisch einzuschätzen und internationale Entwicklungen zu verstehen. Für die Schweiz ist Neutralität ein wesentliches Instrument zur Wahrung ihrer Unabhängigkeit. Sie muss glaubwürdig, konsequent und mit einer glaubhaften Sicherheits- und Verteidigungspolitik verbunden sein.
32. Was unterscheidet Ihre berufliche Perspektive von jener eines klassischen Berufspolitikers?
Ich komme nicht aus einer ausschliesslich politischen Laufbahn, sondern aus der internationalen Wirtschaft. Ich habe Unternehmen, Märkte und industrielle Wertschöpfung aus der Praxis kennengelernt, darunter auch anspruchsvolle Anwendungen im Rüstungssektor. Ich bin gewohnt, Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen, Risiken abzuwägen und für Ergebnisse Verantwortung zu übernehmen. Diese Perspektive möchte ich in die Arbeit des Bundesrates einbringen, ohne die Bedeutung politischer Erfahrung oder des parlamentarischen Prozesses zu unterschätzen.
Programm und Arbeitsweise
33. Welche drei konkreten Schritte würden Sie zu Beginn Ihrer Amtszeit priorisieren?
Ich würde zunächst prüfen, wo unnötige Vorschriften und administrative Verfahren Unternehmen und Bevölkerung unverhältnismässig belasten. Zweitens möchte ich Möglichkeiten für eine günstigere Finanzierung produktiver Investitionen und selbst genutzten Wohneigentums vertieft prüfen lassen. Drittens würde ich den Schutz der Bevölkerung und die Widerstandsfähigkeit der Schweiz stärken, insbesondere im Hinblick auf Sicherheitsrisiken und Naturgefahren. Bei allen drei Punkten wären eine sorgfältige Prüfung der Zuständigkeiten, Kosten und Umsetzbarkeit Voraussetzung.
34. Wie sollte die Schweiz mit den Folgen des Klimawandels umgehen?
Klimapolitik sollte neben der Reduktion von Emissionen stärker auf den Schutz der Bevölkerung vor unvermeidbaren Folgen ausgerichtet sein. Dazu gehören der Umgang mit Hochwasser, Erdrutschen, Hitze und anderen Naturgefahren. Entscheidend ist, Risiken frühzeitig zu erkennen, die Infrastruktur widerstandsfähig zu gestalten und öffentliche Mittel dort einzusetzen, wo sie nachweislich den grössten Schutz bewirken. Prävention und Anpassung müssen sachlich und langfristig geplant werden.
35. Welche Rolle schreiben Sie künstlicher Intelligenz und Robotik zu?
Künstliche Intelligenz und Robotik können die Produktivität steigern und neue Chancen schaffen. Sie müssen jedoch verantwortungsvoll eingesetzt werden.
Die Schweiz soll Innovation ermöglichen, ohne die Sicherheit, die Gesundheit junger Menschen oder die wirtschaftlichen Interessen der arbeitenden Bevölkerung zu gefährden. Die Politik sollte den sinnvollen Einsatz neuer Technologien fördern und deren Risiken frühzeitig angehen.
36. Wie wollen Sie Ihre Vorschläge den Parlamentariern vor der Wahl vorstellen?
Ich möchte die Parlamentarier persönlich treffen, ihnen ein kompaktes Dossier mit meinen Prioritäten vorstellen und die Vorschläge direkt mit ihnen diskutieren.
Ich schreibe ausserdem ein Buch. Ob es noch vor der Wahl erscheinen wird, ist allerdings ungewiss. In jedem Fall sind persönliche Gespräche und ein verständliches, prägnantes Dokument wichtige Mittel, damit die Parlamentarier den Inhalt meiner Kandidatur beurteilen können.
37. Welche konkreten Erfahrungen würden Sie in die Arbeit des Bundesrates einbringen, die in der politischen Debatte häufig fehlen?
Ich würde die Perspektive eines Unternehmers einbringen, der internationale Märkte, industrielle Entwicklung, technische Produkte und wirtschaftliche Risiken aus eigener Erfahrung kennt. Ich habe erlebt, wie politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen Unternehmen stärken oder unter Druck setzen können. Gleichzeitig kenne ich persönliche Krisen und weiss, wie wichtig funktionierende Institutionen und gesellschaftliche Verantwortung sind. Mein Anspruch wäre, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und politische Vorschläge konsequent auf ihre praktische Wirkung zu prüfen.